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Die
Gründungsgeschichte von IBM ist untrennbar mit dem deutschen
Emigranten Hermann Hollerith verbunden, einem 1860 in Buffalo (New
York) geborenen Ingenieur. Er erfindet 1884 eine Maschine mit der
große Datenmengen erstmals auf mechanischem Wege erfasst und
ausgewertet werden können. Als Assistent im Amt für Volkszählung
tüftelt er an einer Methode, die langwierigen und aufwändigen
Volkszählungen, die in Amerika regelmässig durchgeführt
werden, effizienter zu gestalten. Seine Idee ist es, für die
Datenerfassung eine Lochkarte zu verwenden, anstatt der bisherigen
Karten, auf denen man bestimme Felder ankreuzte. Mit der Lochkartentechnologie
lässt sich die Datenerfassung sehr viel schneller durchführen,
als mit der bis dahin verwendeten Methode. Zum Einsatz kommt die
Hollerith-Maschine erstmals bei der elften amerikanischen Volkszählung
1890. Die Daten von 65 Millionen US-Bürgern können mit
Hilfe von 43-Hollerith-Maschinen innerhalb von nur 4 Wochen erhoben
werden. Dies bedeutet eine enorme Zeitersparnis gegenüber den
bisher eingesetzen Verfahren. Erst 1920 setzt auch Deutschland die
erste Hollerith-Maschine zur Volkszählung ein. Im Jahr 1896
ruft Hermann Hollerith seine "Tabulating Machine Company"
ins Leben. Hollerith, als Unternehmer nicht erfolgreich, muss seine
Patente im Jahre 1911 an den Multiunternehmer Charles R. Flint verkaufen,
wodurch Holleriths Firma in dessen Firma Computing Tabulating Recording
Company (CTR) aufgeht.
 1914
ernennt Flint den 40 jährigen Thomas J. Watson (1874-1956)
zum Direktor dieser Firma, aus der 1924 nach Zukäufen und Umorganisationen
die Firma IBM entsteht. Watson, der vorher eine Führungskraft
bei NCR war, und seinem modernem Führungsstil (Hauptslogan
Watsons: "THINK") sowie der Lochkarte Hollerith's
war es zu verdanken, dass die IBM bald die Herrschaft über
den damaligen Markt mechanischer Lochkarten-Maschinen erlangte.
Sie war die Grundlage für die spätere Vormachtstellung
in der Computerbranche. In den ersten 4 Jahren unter Watsons Führung
verdoppelte IBM seinen Gewinn auf ca. 2 Mio. $.
Als 1929 die große Wirtschaftskrise begann
und die ganze US-Wirtschaft vor sich hin siechte, machte IBM noch
Gewinne und zahlte seinen Aktioären 5% Dividende aus. Die Fertigung
ließ man weiterlaufen und legte die Teile auf Halde. 1931
wird die IBM 600 entwickelt, eine Multiplikationsmaschine auf Lochkartenbasis,
1934 das Nachfolgemodell 601, die mit einer Schalttafel programmiert
werden konnte. Die erste elektrische Schreibmaschine folgt 1935
(IBM produzierte Schreibmaschinen bis 1990). Im gleichen Jahr erläßt
die US-Regierung auch das Sozialversicherungsgesetz. Dafür
wird eine aktuelle Beschäftigungsstatistik für 26 Mio.
Menschen benötigt. IBM erhält einen entsprechenden Auftrag
und führt die Statistik so gut durch, das bald weitere Regierungsaufträge
folgen.
Im Jahr 1944 dann ein weiterer Meilenstein in der
IBM Geschichte (und natürlich für die gesamte Entwicklung
der Branche): der IBM ASCC. Der ASCC (Automatic Sequence Controlled
Calculator) war ein riesiger, lochstreifengesteuerter Rechnenautomat,
der aus 700.000 Einzelteilen bestand. Über elektromechanische
Relais konnten die 4 Grundrechenarten durchgeführt werden.
1948 folgte dann der SSEC (Selective Sequence Electronic Calculator),
der bereits viele rein elektronische Bauteile enthielt und es als
erster Computer überhaupt erlaubte, gespeicherte Programme
zu modifizieren.
1953 begann für IBM mit dem Modell 701 die
EDV. Die 701 war IBM's erste elektronische Datenverarbeitungssystem
und zudem als erster Computer mit einem Magnetband als Speichermedium
ausgestattet. Das System schaffte 2200 Multiplikationen in der Sekunde
und war einer der ersten seriengefertigten Rechner überhaupt.
1956 stellte IBM dann zum ersten Mal so was ähnliches wie eine
Festplatte her. Die RAMAC (Random Access Method for Accounting and
Control), die auf 50 Magnetplatten bereits 5 MB Daten im Direktzugriff
speichern und lesen konnte. In diesem Jahr übergibt Watson
- mittlerweile 82 Jahre alt - die Geschäftsleitung an seinen
Sohn Thomas und stirbt 6 Wochen später.
1957 folgt die IBM 704, erstmals mit einem Fortran
Compiler ausgestattet. Fortran war die Programmiersprache, die im
wissenschaftlich/technischen Bereich bevorzugt wurde. Im folgenden
Jahr entwickelt IBM eine Produktionsstraße zur Transistor-Herstellung,
auf der stündlich 1800 Transistoren gebaut und überprüft
werden können. Man wußte bei IBM, das Transistoren bis
zu 200 mal schneller sind als Vakuumröhren, zudem billiger
in Herstellung und zuverlässiger. Natürlich folgt mit
der IBM 1401 auch schnell ein transistor-basierter Rechner. Mit
diesem System wird auch der erste Kettendrucker ausgeliefert. Die
neue Drucktechnik des Typs 1403 übertraf von der Geschwindigkeit
her alle Vorgänger um das Vierfache, und das bei deutlich gestiegener
Druckqualität.
1960 werden bei den Olympischen Winterspielen in
Kalifornien erstmals Computer eingesetzt, natürlich von IBM.
Vielleicht war dieses Ereignis auch ein wichtiger Meilenstein, der
den Computern verhalf, ins Licht der Öffentlichkeit zu treten.
Mit Sicherheit aber die aufkommende Raumfahrt, für die der
Computer mittlerweile ein unentbehrliches Werkzeug war. In den 60iger
Jahren schrieben IBM's Softwareingenieure Millionen Zeilen von Code
nur für die Raumfahrt.
IBM war zu dieser Zeit (und natürlich auch
in der Vergangenheit) ständig bemüht, Forschung und Entwicklung
zu fördern. 1961 wurde das Thomas J. Watson Research Center
in New York eröffnet und das Forschungslaboratorium in Zürich
nahm seine Arbeit auf.
1964 wurde das System/360 vorgestellt, nach Aussage
von IBM die wichtigste Produktankündigung in der Geschichte
des Unternehmens. Hardwareseitig war die SLT-Technik (Solid Logic
Technology) neu: Keramikmodule mit Schaltkreisen, die dichter, schneller
und zuverlässiger waren als alle Transistoren. Außerdem
war das System skalierbar, eine Vielzahl von Kombinationsmöglichkeiten
mit unterschiedlich leistungsfähigen Zentraleinheiten und Peripheriegeräten
konnte geliefert werden. Eine weitere Besonderheit: ein Betriebssystem
(DOS/386 oder OS/386), das für Kompatibiltät der dafür
entwickelten Software auch bei zukünftigen Systemen sorgen
sollte. IBM konnte am Anfang monatlich 1000 Stück dieser Computer
verkaufen, als Folge expandierte das Unternehmen enorm. In dieser
Hochphase begannen die IBM-Ingenieure, mit dem Laserlicht zu experimentieren.
1965 startete die USA das Gemini-Raumfahrtprogramm.
Bei allen Flügen sind kleine IBM Computer dabei. Auch für
das NASA-Kontrollzentrum in Houston (Texas) wird von IBM ein Computer
geliefert: das System 2361 war der größte Computer, der
jemals gebaut wurde, bezüglich seiner Ausmaße. Bei der
Mondlandung 1969 waren natürlich auch IBM-Computer maßgeblich
beteiligt.
1971 erfinden die IBM Forscher die Flexy-Disk.
Ebenfalls 1971 dann ein Führungswechsel: der überaus erfolgreiche
CEO Tom J. Watson übergibt seinen Posten an Frank Cary. Watson
hatte bis zum Ende seiner Amtszeit den Umsatz auf 7 Mrd. $ gesteigert
und "Big Blue" (Spitzname für IBM) beschäftigte
weltweit ca. 250.000 Menschen. Vielleicht war Watson auch den vielen
Gerichtsprozessen nicht mehr gewachsen, die IBM zu dieser Zeit durchzufechten
hatte. Er stirbt 1993 im Alter von 79 Jahren. Erst im Jahre 1982
sollte die US-Regierung die Klagen wieder zurückziehen.
Trotzdem kam in den folgenden Jahren eine wahre
Produktflut von IBM auf den Markt. 1972 wird mit der Winchester-Festplatte
(IBM 3340) revolutionäre Technik vorgestellt. Deren Lese-/Schreibkopf
bewegt sich auf einem Luftfilm von einem 5 Millionstel Millimeter.
Das neue Spitzenmodell 3033 kommt auf den Markt, auch die Midrange-Systeme
/32, /34 und /38, neue Versionen des Systems /370, der 64K RAM-Chip
und auch andere Produkte wie die Kugelkopfschreibmaschine mit Korrekturtaste.
1981 wird John R. Opel neuer CEO und eine neue
Ära bei IBM begann. Aufgrund der Erfolge von Apple, Commodore
und Tandy im Homecomputerbereich beschließt Opel, ebenfalls
in diesen Markt einzusteigen. Aber viel Kopfzerbrechen wollte IBM
sich bei diesem Unternehmen nicht machen (vielleicht stand man auch
unter Zeitdruck), also designte man ein erweiterungsfähiges
und billig herzustellendes Motherboard, kaufte bei Intel eine CPU
zu, und auch das passende Betriebssystem wollte man sich über
einen Zulieferer besorgen, was schlußendlich die damals kleine
Firma Microsoft übernahm (s.a. Wissenswertes,
DOS). Was IBM nicht erwartet hatte, der PC (Modell 5150, später
5160) wurde trotz magerer Grundausstattung (nur 16 KB RAM, eine
360KB Floppy, monochromer Monitor und keine Grafik) ein Riesenerfolg.
Vielleicht erkannte man bei IBM, das dem PC die
Zukunft gehörte, und wenn nicht, hatten die Verkaufszahlen
sicherlich ein wenig nachgeholfen. Jedenfalls wurde die Entwicklung
weitergeführt, man wollte die - praktisch in den Schoß
gefallenene - Marktführerschaft nicht leichtfertig wieder einbüßen.
1984 brachte IBM mit dem AT (Advanced Technology) einen kompatiblen,
aber wesentlich leistungsfähigeren PC mit der Intel 80286 CPU
und 40 MB Harddisk auf den Markt.
1985 wurde John F. Akers CEO bei IBM. IBM stellt
dsas Token Ring Netzwerk vor, das bald neuer Standard für LAN
(Local Area Network) werden würde. Trotzdem ging die Marktsättigung,
die 1985 erstmals spürbar wurde, auch an IBM nicht spurlos
vorrüber, den auch "Big Blues" Umsätze sanken.
Daher betrachtet es Akers als seine wichtigste Aufgabe, die Strukturen
des Konzerns an die neuen Umstände anzupassen. Mit Hilfe von
Frühpensionierungsprogrammen reduzierte man die weltweite Mitarbeiterzahl
um 13.000. Nur in den Forschungsabteilungen blieb alles beim alten,
und das zahlte sich aus: 1986 erhielten Gerd Binnig und Heinrich
Rohrer (Rastertunnelmikroskop) den Nobelpreis für Physik, ein
Jahr später Georg Bednorz und Alex Müller (Supraleiter).
1987 war man dann bei IBM zum ersten Mal zu langsam.
Das erste PC-Modell mit dem neuen Intel 80386 stammte nicht von
IBM, die noch junge, aber erfolgreiche Firma Compaq war dem Computerriesen
zuvor gekommen. 1988 jedoch konnte mit der AS/400 ein neues Midrange-System
erfolgreich am Markt platziert werden. Beim ersten Modell mit dem
Intel 80486 hatte 1989 dann wieder von IBM die Nase vorn.
Louis V. Gerstner jr. wird 1993 neuer IBM-Chef.
Er war der erste Mann in dieser Position, der nicht aus IBM's eigenen
Reihen, sondern von der Firma RJR Nabisco kam (davor 11 Jahre bei
American Express). Er führte bald tiefgreifende Änderungen
in IBM's Organisationsstruktur durch: Straffung der Produktlinie,
Veränderung der Arbeitsabläufe und kostenreduzierende
Maßnahmen. 1995 wird der Softwarehersteller Lotus übernommen,
ein Jahr später Tivoli Systems.
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