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Die Grafikkarte ist ein unverzichtbares Bauteil
in einem Computer. Sie ist - zusammen mit einem Monitor und neben
den Eingabegeräten (Tastatur, Maus etc.) - eines der wichtigsten
Bindeglieder für die Interaktion zwischen Computer und Mensch.
Ihre Aufgabe ist die Umsetzung der Ausgaben des Computers in für
den menschlichen Anwender sichtbare und verständliche Zeichen
am Monitor. Das war nicht immer so. In den Anfangstagen der IT übernahmen
häufig Drucker bzw. Fernschreiber die Funktionen der Kombination
Grafikkarte/Monitor. Alles, also z.B. Auswahlfunktionen von Programmen
oder Eingabeaufforderungen des Betriebssystems (u.s.w.), mußte
auf langsamen und lauten Druckern ausgegeben werden.
Die ersten Microcomputer der 70iger Jahre beschränkten
sich auf reine Textdarstellung. Ende der 70iger kamen bereits Homecomputer
wie der Tandy TRS-80 oder der Acorn Atom auf den Markt, die bereits
"grafikfähig" waren. Doch hier kamen noch keine Grafikkarten
als eigenständige Subsysteme zum Einsatz. Die für die
Grafikdarstellung notwendigen Chips waren direkt auf den Motherboards
integriert. Grafikkarten sind - wie der Name schon sagt - separate,
austauschbare Leiterplatten, bestückt mit den entsprechenden
Bauelementen, die in einen Erweiterungssteckplatz der Hauptplatine
gesteckt werden. Über diesen Erweiterungssteckplatz ist sie
mit dem Bussystem des Computers (ISA, EISA, VLB, aktuell: PCI, AGP)
verbunden und kann die bereitgestellten Informationen empfangen,
welche sie dann als vertikales und horizontales Synchronisationssignal
an einen angeschlossenen Monitor übermittelt.
Grafikprozessor und Grafikspeicher sind die wesentlichen
Bauelemente auf einer Grafikkarte. Diese beiden Bauteile bestimmen
die Bildauflösung, Farbenvielfalt und Geschwindigkeit und definieren
dadurch die Leistungsfähigkeit einer Grafikkarte. Der Grafikprozessor
ist ein spezialisierter Chip, der die CPU auf der Hauptplatine im
Bereich der Bilddarstellung so weit wie möglich entlasten soll.
Dazu muss er die die ankommenden Daten selbständig in Bildelemente
umsetzen. Im Grafikspeicher (Video-RAM) wird das Bild in einzelne
Bildpunkte zerlegt und als Bildpunktmatrix gespeichert. Der Unterschied
zwischen Text- und Grafikdarstellung liegt dabei allein in der Form
der Abbildung. Text wird im sogenannten Bildschirmspeicher als Folge
von ASCII-Zeichen abgelegt. Jedem Zeichen folgt zusätzlich
ein sogenanntes Attribut-Byte, das die Farbe oder andere Darstellungsformen
festlegt. Bei der Grafikausgabe werden im Bildschirmspeicher einzelne
Punkte abgelegt. Wie bei der Textdarstellung wird durch die Bildschirmspeicheradresse
des Punktes auch die Position am Bildschirm festgelegt.
Mit der sogenannten Bildwiederholfrequenz wird
definiert, wie das menschliche Auge das Monitorbild sieht. Bei Fequenzen
unter 70 Hz wird das zeilenweise Entstehen des Bildes noch wahrgenommen,
es wirkt daher unscharf und flimmert. Bereits bei 72 Hz verliert
sich dieser Eindruck vollständig. Im Besonderen bei grafischen
Benutzeroberflächen müssen die Grafikkartenhersteller
speziell dafür angepaßte Treiber liefern oder lassen
diese (bei stark verbreiteten Kartentypen) in das jeweilige Betriebssystem
als Standardtreiber integrieren.
Die Entwicklung der Grafikkarten
Den
ersten Grafikkartenstandard definierte IBM mit Erscheinen des
IBM PC's 1981. Obwohl dieser Begriff hier eigentlich falsch angewendet
ist, denn der sogenannte Monochrom Display Adapater (MDA)
leistete nur einfarbige Textdarstellung (80 Spalten, 25 Zeilen).
Der Begriff Bildschirmkarte wäre daher angebrachter. Der Zeichensatz
(256 ASCII-Zeichen) befand sich in einem ROM Baustein, die individuelle
Anpassung via Software war bei MDA noch nicht möglich.
Das
Manko der MDA-Karte, keine Grafiken darstellen zu können, griff
die Firma Hercules auf und entwickelte 1982 die Hercules Graphic
Card (HGC). Neben der Kompatibilität zu MDA besaß
diese Karte einen Modus zur Darstellung monochromer Grafiken bis
zu einer Auflösung von 720 x 348 Bildpunkten. Die Schriftarbe
bzw. positive Farbe war abhängig vom verwendeten Monitor und
konnte grün, bernstein oder sogar papierweiß sein. Die
HGC Karte lösten die MDA-Karten ab ca. 1984 komplett ab, denn
sie leisteten nicht nur mehr, sie waren auch billiger. Viele XT-
und AT-Clone-Hersteller statteten ihre Geräte standardmäßig
mit einem (zumindest kompatiblen) HGC-Adapter aus.
Nur
wer unbedingt Farbe brauchte, griff ab 1983 zum von IBM entwickelten
Color Graphics Adapter (CGA). Dieser konnte neben der 16farbigen
Textdarstellung (bei Verwendung aller vier Paletten) auch Grafiken
bis zu einer Auflösung von 320 x 200 darstellen. Das reichte
allerdings nur für primitive Spiele. 160 x 200 Punkte bei 16
gleichzeitig darstellbaren Farben war ebenfalls möglich, doch
diese Auflösung war für alle Anwendungsbereiche zu gering.
Programme, die aus Performancegründen direkt in den Bildschirmspeicher
schrieben lösten bei der CGA-Karte das sogenannte "Snowing"
aus: eine Art Schneegestöber bei jedem Refresh des Bildschirms.
Viele CGA-Karten konnten auch im HGC-Modus betrieben werden und
hatten dafür zusätzlich die dementsprechenden Monitoranschlüsse.
Für professionelle Anwender mit Farbbedarf
entwickelte IBM 1984 das Bildschirmsystem Professional Graphics
Display (PGA). Dieses System bestand aus einem speziellen hochauflösendem
Monitor und der PGA - Grafikkarte. Durch den eigenen Microprozessor,
64 kByte eigenes ROM und 320 kByte RAM leistete sie - durch entsprechende
Software unterstützt - genausoviel, wie eine 10mal teurere
CAD-Anlage. Die PGA-Karte konnte schon 256 Farben bei einer Auflösung
von 640 x 480 darstellen.
1985
brachte IBM mit EGA (Enhanced Graphics Adapter) endlich einen
leistungsfähigeren Farbstandard. EGA unterstützte generell
16 gleichzeitig darstellbare Farben, egal ob im Textmodus oder bei
der maximalen Grafikauflösung mit 640 x 350 Pixeln. Die Farben
konnten aus 4 umschaltbaren Farbpaletten ausgewählt werden,
wodurch dem Programmierer insgesamt 64 Farben zur Verfügung
standen. Auf EGA-Karten befand sich erstmals ein eigenes Grafikkarten-BIOS.
Die Vorgänger wurden noch über das BIOS des Computers
angesteuert.
Der
heute noch angewendete Standard VGA (Video Graphic Array)
- wiederum von IBM definiert - lieferte aus technischen Gründen
erstmals ein analoges statt einem digitalen Signal um die Beschränkungen
der Farbtiefe abzustellen. Die Auflösung
beträgt 640 x 480 Bildpunkte, wobei wie bei EGA maximal
nur 16 Farben gleichzeitig darstellbar sind. 256 Farben gleichzeitig
schafft VGA bei einer auf 320 x 200 Punkte reduzierten Auflösung.
Im VGA-Standard verankert war ebenfalls die Möglichkeit, sogenannte
Accelerator-Grafikkarten zu verwenden. Accelerator-Karten spezialisierten
sich auf hochauflösende Modi und/oder hohe Farbtiefe, während
die VGA-Karte für die Text-Darstellung und Standard-Grafik zuständig
war.
Das ebenfalls bekannt
gewordene SVGA
(Super Video Graphics Array) erreichte eine maximale Grafikauflösung
von 800 x 600 Punkten und wesentlich mehr Farben wie die Standard-VGA-Auflösung
(max. 16,7 Mio.) Das alles konnte natürlich nur durch
durch größere Videospeícher realisiert werden.
Zudem waren weitere Textmodi sowie ein Hardwarecursor auch
bei Grafikbetrieb verfügbar. Aufgrund der größeren
Videospeicher (>
256 K) und der unterschiedlichen Implementierung des Bankswitchings
durch die Hersteller war SVGA war zunächst kein explizit
definierter Standard. Dies wurde jedoch später durch die
VESA (Video Electronics Standards Association) geändert
(VESA SVGA).
Für
seine PS/2 (Microchannel) Serie entwickelte IBM den 8514/A
Grafikadapter, die erste 2D Beschleuniger-Karte mit eigenem, aber
noch geringem Befehlssatz (Linien, Füllen von Rechtecken, Bit-Blitting)
zur Entlastung der CPU. Sie war für eine Auflösung von
max. 1024 x 768 und gleichzeitig darstellbaren 256 Farben ausgelegt.
Die hohe Bildwiederholrate von 86Hz wurde jedoch nur im Zeilensprungverfahren
(interlaced) erreicht. Einige Mitbewerber wie ATI, Elsa und Miro
boten später ebenfalls 8514 Karten auch für den ISA Bus
an, die jedoch ohne Zeilensprungverfahren über 70 Hz erreichten
und damit wesentlich bessere Bildqualität boten.
Ein fast schon vergessener Standard ist TIGA
(Texas Instruments Graphics Architecture). Diese Grafikkarten
wurden speziell auf die Verwendung unter Microsoft Windows hin konzipiert
und schaffen Auflösungen bis zu 1280 x 1024 Bildpunkte bei
max. 16 Mio.Farben. Die Besonderheiten bei TIGA: sie waren als Add-On-Karten
konzipiert, setzten also einen bereits vorhanden VGA-Adapter voraus.
Der Grafikprozessors auf der TIGA Karte arbeitet selbständig
und beherrscht komplexe Grafikbefehle. Die hochentwickelsten Typen
(TMS 34010) können auch sogenannte "Display Lists"
(in einem Speicher abgelegte Programme) abarbeiten und entlasten
so die CPU eines Computer maximal. Nachteil dieser aufwändigen
Konzeption war der hohe Anschaffungspreis, der die Anwendung der
TIGA-Grafikkarten auf CAD- und CAM-Bereiche beschränkte.
Ein offiziell nicht klar
definierter Quasi-Standard wurde 1990 mit XGA (eXtended Graphics
Array) wieder einmal von IBM vorgestellt. XGA führte die
beiden Standards VGA und 8514/A zusammen schaffte so Auflösungen
bis 1280 x 1024 Bildpunkte bei maximal 256 gleichzeitig darstellbaren
Farbtönen. Der normale Betriebsmodus bei XGA jedoch sind 1024
x 768 Punkte bei 65536 Farben, ein auch heute noch adäquater
Bildschirmmodus bei vielen Standard-PC's. Weitere offene Standards
sind SXGA (Super-Extended Graphics Array) und UXGA (Ultra-Extended
Graphics Array).
Übersicht
der wichtigsten Grafikkarten und deren Modi
| Bezeichnung
| Auflösung
| Zeichen
| Farben
| Monitor
| Signal
|
| Monochrome Display Adapter (MDA)
| 720x350
| 80x25
| mono
| Text
| Digital
|
| Hercules Graphics Card (HGC)
| 720x348
| 80x25
| mono
| Gr/Txt
| Digital
|
| Color Graphics Adapter (CGA)
| 300x200
| 40x25
| 16
| Text
| Digital
|
|
| 640x200
| 80x25
| 16
| Text
|
|
| 320x200
| 40x25
| 4
| Grafik
|
|
| 640x200
| 80x25
| 2
| Grafik
|
| Enhanced Graphics Adapter (EGA)
| 320x350
| 40x25
| 16
| Text
| Digital
|
|
| 640x350
| 80x25
| 16
| Text
|
|
| 720x350
| 80x25
| mono
| Text
|
|
| 320x200
| 40x25
| 16
| Grafik
|
|
| 640x200
| 80x25
| 16
| Grafik
|
|
| 640x350
| 80x25
| mono
| Grafik
|
|
| 640x350
| 80x25
| 16
| Grafik
|
| Prof. Graphics Adptr (PGA)
| 640x480
| 80x30
| 16
| Gr/Text
| Analog
|
| MultiColor Graphics Array (MCGA)
| 320x400
| 40x25
| 16
| Text
| Analog
|
|
| 640x400
| 80x25
| 16
| Text
|
|
| 640x480
| 80x30
| 2
| Grafik
|
|
| 320x200
| 40x25
| 256
| Grafik
|
| Video Graphics Array (VGA)
| 360x400
| 40x25
| 16
| Text
| Analog
|
|
| 720x400
| 80x25
| 16
| Text
|
|
| 720x400
| 80x25
| mono
| Text
|
|
| 320x200
| 40x25
| 16
| Grafik
|
|
| 640x200
| 80x25
| 16
| Grafik
|
|
| 640x480
| 80x30
| 16
| Grafik
|
|
| 320x200
| 40x25
| 256
| Grafik
|
| Super VGA (SVGA)
| 640x480
| 80x34
| 256
| Grafik
| Analog
|
|
| 1024x768
| 85x38
| 256
| Grafik
|
|
| 1024x768
| 146x51
| 256
| Grafik
|
| Extended Graphics Array (XGA)
| 640X480
|
| 256
| Grafik
| Analog
|
|
| 1024x768
|
| 256
| Grafik
|
| Extended Graphics Array (XGA-2)
| 1280x1024
|
| 256
| Grafik
| Analog
|
|